Altersvorsorge? Aber die hat doch noch Zeit!

Dies ist ein Thema, das uns alle auf die eine oder andere Weise betrifft. Und wir kennen es auch alle: Es gibt Aufgaben, die schiebt man gerne auf. Fenster putzen, den Wagen in die Waschanlage, endlich mal den Keller aufräumen - das geht doch ganz gut später noch.
Aufschieberitis in Haushaltsdingen ist nicht tragisch. Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist mehr Zeug, Gerümpel und Schmutz, die irgendwann später weggeschafft werden müssen - mit einem kräftigen »Hauruck« lässt sich das erledigen.


Aber wenn es um die Altersvorsorge geht, ist diese Aufschieberitis fatal. Denn die verlorene Zeit, die hier buchstäblich Geld bedeutet, bekommt man nicht zurück. Ja, es ist den meisten Menschen unangenehm, sich mit finanziellen Dingen beschäftigen zu müssen.
Aber ist es wirklich schlimmer als das, was einen dann in dreißig Jahren erwartet - dass die Rente vorne und hinten nicht reicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten?

 

Schnelle Belohnung statt langfristiger Planung

»Aufschieberitis« ist eine altbekannte Sache, die von Psychologen »Prokrastination« genannt wird. Schneller Genuss, leichte zu erhaltende Belohnung, kurzfristiger Konsum: Das lockt uns Menschen mehr als alles, was wir schwer oder langfristig erarbeiten müssen. Wir lieben Belohnungen und unser Belohnungszentrum im Gehirn steht auf schnell greifbare Resultate. (So funktionieren die meisten Computerspiele ...)

 

Auf die lange Bank geschoben

Hier liegt der Kern des Problems mit unserer Altersvorsorge. Die liegt nämlich naturgemäß bei jüngeren Menschen noch ziemlich weit in der nebulösen und nicht greifbaren Zukunft. Weder schreckt uns der Gedanke an relative Armut, die mehrere Dekaden in der Zukunft liegt, noch empfinden wir große Glücksgefühle, wenn wir heute dagegen ansparen. Wer weiß denn schon, wie unser Leben in dreißig Jahren aussehen wird? So richtig vorstellen kann sich das niemand.

 

Vor allem die Jugend übt Prokrastination

Gerade jüngere Menschen leiden an der Aufschieberitis. Sage und schreibe 95% Prozent der Studenten schieben Dinge vor sich her. Und das gilt unter Garantie auch für die Altersvorsorge, die für einen Studenten ja auch wirklich nicht das nächstliegende Problem ist, das ihn kümmert. Wer jung ist, denkt an Ausbildung, einen Job, ein Gehalt, die Anschaffung eines Autos, das Gründen einer Familie ...
Und so werden wertvolle Jahre vergeudet, in denen die Altersvorsorge weggeschoben, aufgeschoben, prokrastiniert wird.

 

Unwissen nährt den Aufschiebe-Prozess

Früher war es einfacher - da hat man irgendwie gespart. Auf einem Sparbuch, mit einem Bausparvertrag, mittels einer Lebensversicherung. Viel wissen musste man dafür nicht, es reichte das Hergebrachte, und all das Kleinvieh hat über die Jahre auch ganz schön was an Zinsen gebracht.
Aber heute muss man sich schlau machen, was denn überhaupt noch Zinsen und Ertrag bringt. Was bedeutet „EFT“, was sind Fondssparpläne, sollte man Riestern oder ist das Quatsch, wie funktioniert eine Pensionskasse, sollte ich Aktien kaufen (aber davon verstehe ich nichts), riskiere ich den Verlust meines Einsatzes, sollte ich besser in Betongold investieren?
Und vor all den Fragen kapituliert der Vorsorgewillige und putzt dann doch lieber stattdessen die Küche.

 

Prokrastination kann man verlernen

Der steile Berg »Altersvorsorge«, der vor einem aufragt, entmutigt natürlich. Wer auf diesen Gipfel starrt, fängt den Aufstieg erst gar nicht an.
Aber wer es schafft, seine Aufschieberitis zu überlisten und statt den ganzen Berg nur die erste Wegstrecke zu betrachten, der kommt am Ende am Gipfelkreuz an und merkt, dass es gar nicht wehgetan hat.

Also sagt man sich nicht: An diesem Wochenende plane ich meine komplette Altersvorsorge bis ins Kleinste durch (was erfahrungsgemäß nicht passieren wird), sondern geht das Ganze in kleinen Häppchen an. »Zuerst recherchiere ich und sammele Informationen. Dann richte ich mir ein Depot ein und dann fange ich an, Produkte auszuwählen.« Oder »in der nächsten Woche mache ich einen Sparplan und hole mir dazu in dieser Woche Beratung.«

 

Sanfter Zwang hilft beim Sparen

Es ist erwiesen: Am ehesten sparen Menschen dann, wenn sie dazu gezwungen werden. Und das kann man selbst erledigen, zum Beispiel, indem man einen Dauerauftrag einrichtet oder sich einen Pensionsfonds aussucht, der direkt vom Bruttogehalt gefüttert wird. Dann sieht man das Geld nicht mal auf dem Konto, das man spart, und ist auch nicht versucht, es auszugeben.

 

Beratung hilft aufs Pferd

Und was die Unwissenheit angeht: Es gibt unendlich viele Wege, um die zu beseitigen. Man recherchiert, man liest, man fragt Freunde - oder man lässt sich gleich sachkundig und unabhängig beraten.
Sie müssen nicht alle Wege nach Rom kennen - es reicht voll und ganz, wenn Sie für die Routenplanung einen Reiseführer beauftragen!